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Schilddrüsenerkrankungen und Lungenhochdruck

Schilddrüsenerkrankungen und Lungenhochdruck

7. August 2017

Schilddrüsenerkrankungen können gemeinsam mit Lungenhochdruck auftreten. Auch wenn der genaue Zusammenhang bisher nicht geklärt ist, zeigen aktuelle Studien, dass stark vom Normwert abweichende Schilddrüsenwerte bei Lungenhochdruck einen Einfluss auf die Prognose haben können.

Zusammenhang zwischen Schilddrüse und pulmonaler Hypertonie

Die Schilddrüse spielt eine wichtige Rolle im menschlichen Stoffwechsel. Sie ist Bildungsort für die Schilddrüsenhormone, zu denen Trijodthyronin (T3), Thyroxin (T4) und Kalzitonin gehören. Diese Hormone beeinflussen Herzfrequenz und Blutdruck, erweitern die Gefäße und haben Funktionen im Zucker- und Fettstoffwechsel. Kalzitonin reguliert zudem den Calciumspiegel im Blut. Störungen der Schilddrüse wie eine Unter- oder Überfunktion können deshalb zu unterschiedlichen Symptomen führen, welche den ganzen Organismus betreffen können. Auch im Zusammenhang mit Lungenhochdruck können Schilddrüsenerkrankungen eine Rolle spielen.

Studien zeigen, dass Patienten mit Lungenhochdruck häufiger unter Schilddrüsenerkrankungen leiden, als gesunde Menschen. So kommt die Schilddrüsenunterfunktion bei 23 % aller Lungenhochdruck-Patienten vor, während in der restlichen Bevölkerung nur 3 % aller Männer und 8 % aller Frauen betroffen sind. Autoimmune Schilddrüsenerkrankungen (z.B. Hashimoto Thyroiditis) findet man sogar bei bis zu 50 % aller Patienten mit pulmonal-arterieller Hypertonie (PAH).

Studienergebnisse:

2016 veröffentlichte eine deutsche Forschergruppe aus Gießen Ergebnisse von 1.756 Patienten mit Schilddrüsenerkrankungen und Lungenhochdruck. Sie konnten unter anderem zeigen, dass bei PAH (pulmonal-arterieller Hypertonie) und CTEPH (chronisch thrombo-embolische pulmonale Hypertonie) zu niedrige Schilddrüsenwerte (T3-Wert) mit einem schlechteren Verlauf verbunden sind. Bei iPAH (pulmonal-arterielle Hypertonie ohne bekannte Ursache) waren sowohl sehr hohe als auch sehr niedrige Schilddrüsenwerte prognostisch schlecht. Eine entsprechende Therapie (zum Beispiel mit Hormonersatz-Präparaten) kann sich in vielen Fällen positiv auswirken und diesen Effekt verhindern.

Bisher ist nicht vollständig erforscht, wie Lungenhochdruck und Schilddrüsenerkrankungen zusammenhängen, doch es gibt verschiedene medizinische Hypothesen: Beide könnten mit Autoimmunreaktionen und dadurch bedingten entzündlichen Vorgängen zusammenhängen. Auch ein Zusammenhang zwischen Herzfunktion und Schilddrüsenhormonen könnte eine Rolle spielen. Wer unter Lungenhochdruck leidet und seine Schilddrüsenwerte nicht kennt, kann mit seinem Arzt darüber sprechen, ob eine Blutuntersuchung sinnvoll sein könnte.

Richter MJ, et al. The prognostic impact of thyroid function in pulmonary hypertension. J Heart Lung Transplant. 2016 Dec;35(12):1427-1434.

BLOG 032 / 2017



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